Erstes Konzert -
Melodie
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Christian Wolff: „Excercise
1“
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Christian Wolff "Excercises"
von 1973/74 zeigen auf, wie in zeitgenössischer Musik Melodik möglich sein
könnte. Unterschiedlich lange, aber immer kurze Tonfolgen, aus immer den
gleichen Tonhöhen werden durch Pausen getrennt. Der Zufall erhält Raum, weil
Wolff die Notenzeilen ohne Schlüssel belässt. Die Wahl des Notenschlüssels
ist den Musikern überlassen. Insofern sind die Intervalle und Tonhöhen phrasenweise verschieden deutbar. Allerdings sollen vom
Ensemble nicht mehr als zwei verschiedene Schlüssel gleichzeitig ausgewählt
werden. Auch die Dauern der einzelnen Töne können in einem Rahmen bis maximal
1 ¼ Sekunde von den Musikern gewählt werden. Eigenartigerweise wird auch ein
einzelner Ton innerhalb dieser Konzeption zur Melodie. |
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Christian Wolff hat sich am stärksten von den jüngeren
Kollegen Cages mit dessen Konzeption der „Anarchie“ im musikalischen Werk
befasst. |
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John Cage war ein viel zu guter und erfahrener Komponist und
ausführender Musiker, als dass die Widersprüchlichkeiten und scheinbaren
Unklarheiten der Textangaben zu seinen Partituren nicht beabsichtigt sein
könnten. Dies erfährt man als Musiker sehr eindrücklich, wenn man seine Werke
mit einer Gruppe interpretiert. Es ist schlichtweg unmöglich zu sagen, wie
die "richtige" Interpretation auszusehen habe. Cage gibt viele
Hinweise und lässt gleichzeitig vieles offen. Er wollte nicht, dass der
Komponist diktatorisch das musikalische Geschehen bestimme, sondern im
Gegenteil, dass der Prozess der Interpretationsfindung kollektiv sei und von
Auseinandersetzungen und Diskussionen geprägt würde. |
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Diesem Konzept fühlt sich Christian Wolff verbunden und gibt
den „führungslosen“ Ausführenden der „Excercises“
die folgenden Anweisungen: |
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„Das Stück kann mit jeder Anzahl von
Instrumenten, bevorzugt Melodieinstrumenten gespielt werden. Arrangements für
jedes Stück, das gespielt werden soll, sollten festgelegt werden, z. B.: wer
spielt, wie viele spielen, wer spielt welche Teile usw. Manche dieser
Arrangements können während der Performance gemacht oder verändert werden.
Jede Anzahl von Spielern kann dasselbe Material spielen. |
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Im allgemeinen
ist der Bezugspunkt, dort wo mehr als ein Spieler dasselbe Material spielt
(die Standardsituation) das Unisono. Aber weil Rhythmus und Geschwindigkeit,
Artikulation, Lautstärke, Farbe und Spielweise alle flexibel sind, kann jeder
Spieler an jedem beliebigen Punkt des Stückes versuchen seine Vorstellung von
Unisono durchzusetzen. Wenn zum Beispiel eine Initiative eines Spielers -
sagen wir in Richtung schneller werden - nicht vom Rest der Gruppe
aufgenommen wird, muss er zum vorherrschenden Tempo zurückkehren.“ |
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Antoine Beuger: „die freude der fische“
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für
Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Cello, Klavier und Marimba
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In Antoine Beugers Stück „die freude
der fische“ spielt immer nur jeweils ein Musiker alleine eine vorgegebene,
vom Komponisten mit Hilfe von Zufallsoperationen gefundene Tonhöhe. Folgende
Anweisungen gibt er den Musikern: |
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„alle klänge (sehr) leise |
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streicher:
jeder ton ein ruhiger bogenstrich |
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bläser:
jeder ton eine
ruhige ausatmung |
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klavier:
töne ausklingen
lassen |
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marimba:
jeder ton ein einzelner anschlag |
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zwischen den klängen: etwas zeit lassen (nach den marimbaklängen bleibt es etwas länger still) |
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bindezeichen:
den ton anfangen, während der vorhergehende ton noch klingt |
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dauer:
30-40 minuten“ |
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Zweites Konzert – Atmosphäre |
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Craig
Shepard: “Wind (3)”
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für Bassflöte, Bassklarinette, Violine, Viola, Violoncello, Marimba |
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Craig Shepard schreibt den Ausführenden in seinem Stück „Wind
(3)“ genau vor was zu tun ist, lässt aber innerhalb eines Zeitraumes (Minute
1 bis 13) weitgehend frei, wann es getan wird, und wie lange es getan wird
(häufig sind Mindestlängen angegeben). Durch die Lautstärkeangaben, die von pppp in der Bassflöte bis pppppppp
(barely audible) beim
Marimbaphon reichen, ergibt sich ein sehr zarter
Klang, der von Rauschen durchdrungen ist. Die Tonhöhen sind so
gewählt, dass im Rauschspektrum reine Intervalle erahnt werden können. |
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Craig Shepard schickte als Programmtext diesen Auszug aus einem
Gedicht von T.S. Eliot: |
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"Four
Quartets" - "Burnt Norton" |
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Words
move, music moves |
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Only
in time; but that which is only living |
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Can
only die. Words, after speech, reach |
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Into
the silence. Only by the form, the pattern, |
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Can
words or music reach |
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The
stillness, as a Chinese jar still |
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Moves
perpetually in its stillness. |
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Not
the stillness of the violin, while the note lasts, |
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Not
that only, but the co-existence, |
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Or
say that the end precedes the beginning, |
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And
the end and the beginning were always there |
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Before
the beginning and after the end. |
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And
all is always now.” |
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Jürg Frey: „Hügel
Schatten Landschaften“
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für
Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Cello, Klavier und Schlagzeug
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Jürg Freys Komposition
beschreibt die vorkommenden Klänge in ihrer Beschaffenheit, ihrem Ort und
ihrer Abfolge sehr genau. Er schreibt über sein Stück "Hügel Schatten
Landschaften“: |
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„Meine Musik sickert fast
unmerklich in die Welt hinein. Sie schafft einen Ort, und das Stück ist die Zeit,
die an diesem Ort vergeht, während der Aufführung. Die Musik führt
nicht Bewegungen vor und stellt nicht Emotionen dar. Sie ist einfach da und
die Klänge prägen durch ihre
Anwesenheit den Ort. |
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Hören: Das Trommelfell als Verbindung von
der Außenwelt zur Innenwelt der Zuhörerinnen und
Zuhörer. |
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Ich möchte einen Klang, der das Gehör
nicht verstellt; einen Klang, der uns dem Klang nicht abwendig macht. Diese
Klänge haben nichts ausgedachtes, sondern etwas gefundenes. Ich kann nicht
Klänge suchen, um diese dann im Stück zu verwenden. Das Erstaunliche
ist, in wie starkem Maß allein schon |
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der Vorgang des Suchens das Resultat
beeinflusst - im Gegensatz zu den Klängen, die man findet, und die dann eine
gewisse zeitlang im Stück auftauchen. |
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Diese Klänge besetzen nicht den Ort. Sie
schaffen ihn durch sein Klingen in der Zeit. |
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Diese Klänge: Leise, manchmal mit
zögernder Zerbrechlichkeit, durchlässig für die Stille in ihnen. Gleichzeitig sind sie da: direkt, hörbar,
eindeutig, klar, unverstellt. |
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Die Schönheit, die ich hier ahne, ist
verborgen in dieser Art von Klängen. Aber nicht nur in den Klängen, auch im
Ende des Klanges, im Anfang des Klanges;
sie ist verborgen in den
Volumina und in den Leeren, die das Stück formen; in den Dauern, in den Klangfarben und in
der Erinnerung an all diese Dinge." |
Drittes Konzert -
Stille
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Radu Malfatti: „wie 20
bazillen übereinandergestapelt“
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für Violine, Viola, Violoncello, Flöte, Klarinette, Klavier
und große Trommel |
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Malfatti legt alle Dauern und Einsätze mit Hilfe von
Zufallszahlentabellen genau fest. Die Streicher spielen meist Doppelgriffe -
eher leise nah am Steg. Durch diese Spielweise entstehen reiche
Obertonstrukturen, die nicht wirklich willentlich lenkbar und vorher
bestimmbar sind. |
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„die klänge der streicher |
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meist sehr lange, äußerst zart |
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obertonreihen
erscheinen, vergehen wieder |
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en passant |
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die klänge der bläser |
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eher kurz, äußerst zart |
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klar und für sich |
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die klänge des klaviers
setzen atempausen |
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monochrom in sich verwoben |
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der klang der großen trommel
ist irgendwo |
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sehr zart und schwebend |
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pausen erscheinen und entschwinden wieder |
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in erwartung
eines klanges“ |
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(Radu Malfatti) |
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Michael Pisaro: „Tranquility“
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für
Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Cello, Klavier und Schlagzeug
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Das Stück „Tranquility“ hat keine Pause – das Cello spielt während
des ganzen Stücks denselben Klang. Auch die anderen Ereignisse sind eher
flächig angelegt. Und trotzdem ist das Stück still. Alle Instrumente spielen
ausschließlich die Tonhöhe d2 – mit Ausnahme des Schlagzeugs und der Viola,
die 2 x 4 Minuten lang den Ton e2 spielt. |
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Pisaro
beschreibt die Qualität der Klänge in den Anweisungen folgendermaßen: |
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„Alle Klänge sind extrem leise. Das ganze
Stück, auch wenn alle Musiker spielen, soll gerade eben hörbar für das
Publikum sein. Auch wenn Tonhöhen angegeben sind, werden die Klänge immer
mehr oder weniger den Charakter eines sehr hellen Rauschen
haben (wie ein Atem). |
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Der Klang des Stückes ist ein wenig wie
ein gerade eben sichtbarer, transparenter Vorhang der im Raum von der Decke
zum Boden hängt – er färbt, gerade wahrnehmbar, die Klänge die bereits da
sind.“ |
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Viertes Konzert –
Klangereignis, Ereignisklang
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Morton Feldman: „Durations 1“
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für
Altflöte, Violine, Cello und Klavier
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Morton Feldman schreibt in
den Anweisungen zu seinem Stück Durations 1 von
1961: |
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„Der erste Klang mit allen
Instrumenten gleichzeitig. Die Dauer eines jeden Klangs wird vom jeweiligen
Ausführenden bestimmt. Alle "Beats" sind langsam. Alle Klänge sind
mit einem Minimum von "Attack" zu
spielen. Vorschlagnoten sollen nicht zu schnell gespielt werden. Zahlen
zwischen den Klängen drücken stille „Beats“ aus. Sehr leise spielen.(....)“ |
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Jeder einzelne Ton der Partitur ist ganz genau festgelegt,
aber nicht bestimmt in seiner Dauer. Es ergeben sich Verschiebungen in der
Horizontalen, d.h. welcher Ton welchen Instrumentes mit welchem Ton welchen anderen
Instrumentes zusammen erklingt ist offen und verändert sich von Aufführung zu
Aufführung. |
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Burkhard Schlothauer: „15 similar events – septett“
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für
Bassflöte, Klarinette, Violine, Viola, Cello, Klavier und Trommel
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In diesem Stück gibt es Spielregeln, die einem Teil der
Musiker im Rahmen dieser Regeln die Entscheidung überlassen, wann welcher
Klang aus dem vorgesehenen Fundus gespielt wird. |
Die
Trommel spielt nach Zeitplan genau festgelegte Schläge. Die Klarinette spielt
alle 5 Minuten eine kurze mikrotonale Elementarmelodie.
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„Anweisungen
für Streicher, Flöte, Klavier
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Das Stück besteht aus 15 Perioden a 3
Minuten. In einer Periode von 3 Minuten gibt es einen gemeinsam erzeugtes
Ereignis. Ein Spieler beginnt in der ersten Minute jeder Periode, die anderen
Spieler fügen sich in den bereits begonnenen Klang ein. Jeder Spieler muss
spielen, es darf keine Pause zwischen den Klängen einer Periode entstehen,
die Klänge sollen sich deutlich überlappen. Wenn in der ersten Minute kein
Spieler beginnt, wird in dieser 3 Minutenperiode nicht gespielt. (Dann spielt
auch der Schlagzeuger nicht) |
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Spiele von den 5 angegebenen Klängen
einen 5x, einen 4x, einen 3x, einen 2x, einen 1x. |
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Die Klänge müssen nicht hintereinander
gespielt werden. |
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Lege vor jeder Aufführung und Probe neu
fest, welchen Klang du wie oft spielen willst. |
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Alle Klänge sind lang, leise und sanft geräuschhaft, je einen Bogen, einen Atem, ein Ausklingen
lang. |
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Jeder Spieler endet, wenn sein Klang
vorbei ist. |
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Vor Beginn des nächsten Ereignisses (der
nächsten Periode) soll eine Pause sein.“ |
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Fünftes Konzert – Konzept |
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Carlo Inderhees: „7
Stimmen“
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M. J. Grant schreibt zum Projekt „Stimmen“ von Carlo Inderhees: |
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„Stimmen, begonnen 2001, besteht aus
Kompositionen, die hörbar sind, und Kompositionen, die unhörbar sind. Die
Aufführungsdauer jeder Komposition beträgt eine Stunde. |
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STIMMEN Die Kompositionen sind ein- bis
mehrstimmig. Die instrumentale Besetzung ist frei, und die Schlüssel sind
dementsprechend von den Interpreten zu setzen. Damit ist der harmonische
Verlauf nicht genau festgesetzt, wohl aber die Zeitpunkte und die Dauer der
Zusammenklänge. |
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HANDSCHRIFTEN Jede Stimme ist auf einem
eigenen Blatt geschrieben, die Blätter sind nicht gebunden. Die sehr präzise
Darstellung der Zeitstruktur (Dauer der Tönen und Pausen, Anzahl von
Repetitionen) erfolgt durch Zahlen. Damit ist die räumliche Disposition auf
dem Blatt für jede Stimme gleich, also unabhängig von der dadurch
vermittelten Disposition in der Zeit. |
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HÖRBAR/UNHÖRBAR Die Entscheidung, ob ein
Stück hörbar ist oder nicht, fällt erst dann, wenn die eigentliche Arbeit des
Komponierens abgeschlossen ist und die jeweilige Komposition von der Hand des
Komponisten abgeschrieben ist. Allein für die hörbaren Stücke werden dann
Spielpartituren hergestellt und zum Aufführen freigegeben. Die Handschriften
zu allen Kompositionen – hörbar und unhörbar – liegen zum Einsehen bereit und
werden teilweise ausgestellt. |
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HÖREN/LESEN Die jeweilige
Komposition als ganzes aus den Handschriften herauszulesen, ohne sie dabei
erklingen zu lassen, ist oft extrem schwer, wenn nicht unmöglich, erstens,
weil die geschriebenen Stimmen so verteilt sind, dass man sie kaum
gleichzeitig lesen kann, zweitens, weil die quantitativen Darstellungen der
einzelnen Stimmen sich nur schwer veranschaulichen lassen. Die Dauer, die
nötig wäre, um aus diesen zerstreuten Monophonien eine Polyphonie
herauszulesen, wäre in jedem Fall eine andere Dauer, als die der klingenden
Stunde.“ |
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Konzert 6 – Anarchic
Harmony
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John
Cage – „Seven“
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für Flöte, Klarinette, Schlagzeug, Klavier, Violine, Viola,
und Violoncello |
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„Seven“
wurde 1988 komponiert. Cage hat seit 1987 bis zu seinem Tod im Jahre 1992 ca.
45 Musikstücke geschrieben, die als Titel die jeweilige Anzahl der
ausführenden Musiker tragen. |
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Jedem Klang, bzw. jeder Folge von Klängen sind zwei Time-brackets (Zeitklammern - siehe Beispielseite)
zugeordnet. Die Erste Klammer gibt den Zeitraum an, in dem der Musiker seinen
Klang beginnen soll, und die jeweils Zweite gibt den Zeitraum an, in dem der
Musiker seinen Klang beenden soll.
Cage notiert 4/4 Noten, die längere Töne andeuten, aber nichts über
die tatsächliche Länge der Klänge aussagen. Da sich die Timebrackets
für Anfang und Ende überschneiden, sagen sie nichts über die Dauer der zu
spielenden Klänge aus. In jeder Stimme dieses Stückes gibt es an irgendeiner
Stelle eine feste (fixed) Zeitklammer. Hier sind
Beginn und Ende des Klanges fest angegeben. |
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Da die Streicher die Bogenhaare lockern und mit Hilfe des
Bogenholzes spielen und den Bogen dabei langsam drehen sollen, ergibt sich
ein geräuschhafter, brüchiger Klang. Die Bläser
sollen unkonventionelle Griffe benutzen (was zu mikrotonalen Verstimmungen
führt) und „die Töne sollen in die Existenz „gepinselt“ werden („brushed“ into existence), wie bei einer fernöstlichen Kalligrafie, bei
der die Tinte nicht immer sichtbar ist, oder wenn sie sichtbar ist, ihre
Intensität verändert..“ Das Schlagzeug verwendet vier verschiedene
Reibeklänge, die der Schlagzeuger selbst aus einer langen Liste von
Beispielen und Vorschlägen auswählen oder selbst erfinden kann. |
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Konzert 7 – Performance
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Marcus
Kaiser – “anatom I, II, IV-X”
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Markus Kaisers „anatom“-Serie, die
anlässlich dieses Festivals in großer Besetzung realisiert wird, ist eine
Serie von Stücken für einzelne Performer, die
sowohl alleine als auch miteinander
verknüpft aufgeführt werden können. Sie besteht aus einseitigen
Textanweisungen, die eine auszuführende Aktion beschreiben (siehe
Beispielseite). Die Ausführung der Aktion lässt zu irgendwelchen nicht genau
vorhersehbaren Zeitpunkten nicht genau vorher bestimmbare Klänge entstehen.
Die einzelnen Aktionen finden parallel zueinander in loser Folge statt und
sind zeitlich lose miteinander koordiniert. |
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