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ChamberEvents
(EWR 0501) |
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Auf der CD finden sich Beispiele aus drei verschiedenen
Werkgruppen, die ich seit einigen Jahren parallel verfolge. Die einzelnen
Stimmen der jeweiligen Stücke sind sich strukturell ähnlich. Gemeinsam
ist ihnen, dass jedes Instrument immer einen längeren Ton (bzw. Klang)
gefolgt von einer Pause spielt. |
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55 similar events
plus two drummers drumming (1999) besteht aus zwei unterschiedlichen Ereignisebenen. Die
sieben Instrumentalstimmen sind ‚isophon’ und ‚gleichmaßig’ organisiert: die immer aus den selben sechs Tonhöhen bestehenden Klänge beginnen und
enden gemeinsam, jeder Klang dauert etwa 8 und jede Pause etwa 4 Sekunden.
Jedes dieser Klangereignisse ist anders instrumentiert. Die Töne wurden
zufällig auf die Instrumente verteilt, teilweise kommen sie in einem Klang
mehrmals vor, immer jedoch sind sie alle vorhanden. Im Kontext traditioneller
kompositorischer Vorstellungen hätten wir es also 55mal mit dem gleichen
Klang zu tun. Doch diese 55 Klangereignisse sind nicht gleich, denn sie
unterscheiden sich maßgeblich in Klangfarbe, innerer Gewichtung der Töne und
der Lage des Klanges im Raum. Durch Ähnlichkeit ereignet sich
Verschiedenheit. |
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Parallel dazu spielen zwei Perkussionisten nach einem
unabhängigen Zeitplan in unabhängigem Tempo Passagen aus two
drummers drumming(1998).
Zwei Ereignisebenen treffen aufeinander und Bezüge werden konstituiert.
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Die Organisation der einzelnen Dauern in den Stimmen der
beiden anderen Stücke der CD ist von der Gleichmaßigkeit
des ersten Stückes grundsätzlich verschieden. Die Länge des Tones und der
Pause definieren sich hier nämlich sowohl aus der Tätigkeit und Physis des jeweiligen Spielers, wie auch aus der Physik
des verwendeten Instruments und fügen sich nicht in eine periodische
Konstruktion. |
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So verwendet die InterpretIn in aus
atem (1994) Teile ihrer (individuellen)
Atemluftmenge bzw. orientiert sich in ab tasten (1995) am
unterschiedlich langen Abschwingvorgang der ausklingenden Klaviersaiten.
Mindestens eine Saite klingt aus, die aktive Abdämpfung der anderen Saiten
mit Hilfe der Steuerung der Klavierdämpfer durch Finger und Pedal ist sehr
differenziert vorgegeben. Die Länge der auf den Ton folgenden Pause ist an
der Dauer des vorhergehenden Tones orientiert. Beide Stücke gehören zu einer
Reihe von Solostücken, die miteinander kombiniert werden können. Die Stücke
bestehen jeweils aus 121 Tönen (‚abtasten’ aus 66
Klängen), die in beliebiger
Reihenfolge ohne Wiederholung ausgeführt werden sollen. Die vorliegende Aufnahme events # 5 (3 Bassklarinetten, 2 Klaviere) ist
eine Montage aus den bereits auf den CD´s EWR 9608
und EWR 0105 veröffentlichten Stücken. |
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Es ist möglich die Klang-Pausefolgen als die extreme
Vergrößerung einer musikalischen Linie zu verstehen und auf diese Weise
betrachtet beruht ‚Events für 5 Instrumente’ auf
linearem und somit polyphonem Denken, welches von harmonischer Intention
befreit ist. Eine Abfolge von autarken Handlungen bzw. Tätigkeiten eines
Spielers, bildet in jeder Stimme von den anderen Stimmen unabhängige
Ereignisketten - diese begegnen sich zufällig in scheinbarer
Gleichzeitigkeit, verschmelzen zu einer Schallwelle, bleiben dadurch nicht
dieselben, finden neuen und unerwarteten Zusammenhang und werden vielleicht
zu einem singulären Ereignis umgedeutet. |
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Bunkermusik (2003) wurde auf Einladung des Künstlers Christoph Nicolaus für
eine Veranstaltungsreihe in einem Hochbunker des Münchner Stadtteils Sendling
geschrieben, dort uraufgeführt und aufgenommen. Stets dieselben
Tonhöhen a – d – gis werden von den drei
Blasinstrumenten mikrotonal variiert. Es existieren 18 Teile von etwa 10
Minuten Dauer, in denen der Klang jeweils in anderer Oktavlage und Weite aber
immer in derselben Schichtung verwendet wird. Jeder Ton ist einen vollen Atem
lang, jede Pause ermöglicht ein zur Ruhe kommen. Mit der auf einen bestimmten
Klangbereich gerichteten kompositorischen Intention und der linearen
Unabhängigkeit der mikrotonal variierenden Stimmen verbindet organic microtonal polyphonia (2003/2005)die kompositorischen Prinzipien
der beiden anderen Stücke. Eine Auswahl von auf jeweils auf fünf Minuten
verkürzten Teilen von Bunkermusik wurde in zunehmender Verdichtung zu
einer fünffachen Schichtung montiert – es sind bis zu 15 Stimmen zu hören.
Durch die stetige Fluktuation der ‚asymetrischen
Polyphonie’ entsteht ein ständiges aperiodisches
Pendeln zwischen Konsonanz und Dissonanz, zwischen ‚Spannung’ und
‚Entspannung’. Ein ferner Nachklang eines alten harmonischen Prinzips in
einem nichtintentionalen Kontext. Burkhard Schlothauer (2005) |